Das Professorinnenprogramm – Ist Widerstand zwecklos?

Was genau bezweckt das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Professorinnenprogramm? Das Professorinnenprogramm wurde von der Bundesregierung vorgeblich initiiert, um einen vermeintlichen quantitativen Missstand an deutschen Universitäten zu korrigieren. Auf der Website des BMBF steht dazu: „Um den Anteil von Professorinnen an den deutschen Hochschulen gezielt zu steigern, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit den Ländern im Jahr 2007 das Professorinnen-Programm (PP) gestartet. Die Fortführung des erfolgreichen Programms wurde 2012 beschlossen.“

In einem auf der Website des Ministeriums verlinkten Bericht der Leipziger Internet Zeitung heisst es ergänzend: „Die Universität (Leipzig) erhält für fünf Jahre max. 150.000 Euro je Professur. Das Professorinnen-Programm wurde ins Leben gerufen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, es wird je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert.“

Jedoch ist auf der Website des Ministeriums ein interessanter Zusammenhang zu finden. Denn an anderer Stelle heißt es: „In den außerhochschulischen Forschungseinrichtungen liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen 2011 insgesamt bei nur 12,0 Prozent. Wobei sich die Forschungsorganisationen dabei deutlich unterscheiden: Überdurchschnittlich ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen im Jahr 2011 weiterhin bei der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) mit 19,0 Prozent. Bei der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) entspricht der Frauenanteil in Führungspositionen mit 12,5 Prozent in etwa dem Durchschnitt.“ (Hervorhebungen nachträglich)

Was kann man aus diesen Zeilen herauslesen? Offensichtlich ist dem Ministerium der Frauenanteil auf der Entscheidungsebene nicht hoch genug. Denkwürdig ist in diesem Zusammenhang folgender Absatz aus der Leipziger Internet Zeitung: „Ich freue mich sehr, dass unser hochwertiges Gleichstellungskonzept Früchte trägt“, sagt Prof. Dr. Beate A. Schücking, Rektorin der Universität Leipzig. „Unsere Anstrengungen, den Frauenanteil in führenden Positionen signifikant zu erhöhen, erhalten dadurch weiteren Auftrieb. Gerade an der Spitze haben wir noch viel zu wenig Frauen.“. Das eine derartige Beschwerde von einer Frau geäußert wird, die sich an eben jener Spitze befindet, ist nicht ganz frei von Ironie. Es ist allerdings fraglich, ob ein höherer Anteil von Frauen auf dieser Ebene ein repräsentatives Bild der jeweiligen Forschungseinrichtung zeigen würde.

Ich vergleiche diese Initiative daher zu Recht mit dem Bestreben, den Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen in Wirtschaftsunternehmen zu erhöhen. Auch in diesem Bereich wird eine Scheindebatte geführt. Um einen erhöhten repräsentativen Anteil von Frauen in diesen Gremien zu rechtfertigen, wird eine Debatte angestoßen, die das so genannte „traditionelle Berufsbild“ in Frage stellen soll. Durch gezielte Förderung von Mädchen in technischen Berufen soll in der Öffentlichkeit die Vorstellung zementiert werden, dass derartige Berufe nun „verstärkt“ von Frauen nachgefragt und ergriffen werden wollen. Das ist nicht der Fall. Die marginale Zunahme in diesem Bereich ist zu vernachlässigen. Durch das hier wirtschaftlich absolut notwendige Prinzip der Kosten-Nutzen-Rechnung korrigieren sich derartige Initiativen bei ausbleibendem Erfolg von ganz allein. Daher kann sich die Politik der Gleichstellung hier nicht wirklich durchsetzen. Es wird zwar von politischer Seite gern behauptet, die Wirtschaft sträube sich hartnäckig gegen die Frauenquote, aber dem ist nicht so. Eher kann man dem politischen Treiben dort relativ gelassen entgegentreten.

Die akademische Welt aber muß ungleich härter und energischer gegen staatsfeministische Aktionismen wie das Professorinnenprogramm kämpfen. Das ist um so bedauerlicher, da fehlendes Leistungsniveau und politische Abhängigkeit sich genau hier um einiges langfristiger und verheerender auswirkt. Auch greifen in staatlich finanzierten und geförderten Ausbildungsstätten die selbstregulierenden Maßnahmen nicht, die in der freien Wirtschaft üblich sind. Das macht Initiativen wie das Professorinnenprogramm so verführerisch wie gefährlich. Notorisch klamme Kassen in den Universitäten stellen die ergebnisoffene und unabhängige Forschung auf eine harte Probe. Die Förderung durch das Professorinnenprogramm ist ja nicht unbedingt nur personen-, sondern auch zweckgebunden. Politische Vorgaben und Erfolgsmeldungen sind in dieser Förderung inbegriffen. Und das macht eine Korrektur bei realistisch ausbleibendem Erfolg nahezu unmöglich. Die Hoffnung aber sollte man niemals aufgeben.

Oder anders gesagt: Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren!

In diesem Sinne

Karsten Mende

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