Ursula von der Leyen – Auf dem Rücken der Truppe ins Kanzleramt

Heutzutage kann kaum eine Meldung aus der Politik noch für größere emotionale Reaktionen sorgen. So sehr hat sich die Volksseele inzwischen an Absurditäten gewöhnt, dass es mitunter schwierig ist, überhaupt noch Fassungslosigkeit zu erzeugen. Diesmal ist es jedoch fast gelungen. Die Rede ist von der neuen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Solch eine Meldung hat das Potenzial, das rationale Denken auszuschalten. Das soll den politischen Protagonisten jedoch nicht gelingen, denn diese Berufung ist noch allemal weitere Überlegungen wert. Eine derartige Entscheidung entbehrt nämlich niemals einem strategischen Kalkül. Und das ist bei Frau von der Leyen sicherlich nicht auf das militärische Ressort ausgerichtet. Was also kann die Bundeskanzlerin bewegt haben, ausgerechnet Frau von der Leyen ins Verteidigungsministerium zu berufen? Nun mag es ja sein, dass, wie die Süddeutsche Zeitung betont, „viele Minister von ihrer neuen Aufgabe erst mal wenig bis keine Ahnung haben“, und „auch zahlreiche Amtsvorgänger von der Leyens nicht gedient haben“, wer aber Frau von der Leyen kennt, weiß um ihre spezielle Begabung sich außerhalb ihres Ressorts in die Angelegenheiten anderer Minister einzumischen, mit der deutlichen Tendenz sich als Universalministerin zu profilieren. Eine zentrale Aufgabe des Verteidigungsministeriums besteht jedoch in der absoluten Rückendeckung, den die Bundeswehr dringend braucht, um ihren schwierigen Missionen gerecht zu werden. Für diese Rückendeckung sind die von der SZ genannten Eigenschaften nicht unbedingt wichtig. Kann aber Frau von der Leyen in Bezug auf ihre charakterlichen Voraussetzungen diese Aufgabe erfüllen? Diese Frage kann verneint werden, das wird auch Frau Merkel wissen. Deswegen ist die Berufung der Verteidigungsministerin von der Leyen meines Erachtens nur unter der Berücksichtigung eines baldigen Truppenabzug aus Afghanistan denkbar. Diese ruhmvolle Mission soll unbedingt in die Amtszeit von Frau von der Leyen fallen. Das heißt soviel, dass es ihre „Ehre“ sein wird sich mit dem „gewonnenen“ Krieg in Afghanistan zu schmücken, die Truppe heimzuholen und damit ihre Position zu stärken. Da die SZ richtig erkannt hat, dass sie in ihrem neuen Amt nur glänzen aber nicht eigentlich scheitern kann, ist der Pfad ins Kanzleramt mit dieser Berufung von der Leyens besenrein gesäubert worden. Was die Bundeswehr angeht – sie wird es überstehen, auch wenn es bedauerlich, dass die Landesverteidigung von der Politik nur als Steigbügelhalter für machtpolitische Abitionen einer Karrierefrau benutzt wird. Wenigstens hat der Horror am Hindukush sehr wahrscheinlich bald ein Ende. Und das ist immerhin sehr erfeulich. In diesem Sinne: Willkommen zu Hause!

Karsten Mende

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