Ist Performance automatisch auch Kunst?

Die Welt steht Kopf. Die verdrehte Unlogik des modernen Zeitgeistes hat ja schon so manche Vorstellung von den Füßen auf den Kopf gestellt. Diese Angriffe auf den gesunden Menschenverstand häufen sich. Nehmen wir die widersinnige Behauptung der Genderisten, dass es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern geben soll und geschlechtertypische Verhaltensweisen, die sich schon bei Neugeborenen zeigen, lediglich anerzogen und damit beliebig austauschbar seien. Nehmen wir die zeitgeistige Übereinkunft gewisser Randgruppen, dass es – neben dem männlichen und weiblichen – x-beliebige andere Geschlechter geben soll, die sich mit  „*“, „x“  oder was auch immer kennzeichnen und von bedeutender Relevanz sein sollen. Die Liste dieser Angriffe auf den gesunden Menschenverstand lässt sich fortsetzen und berührt auch andere Bürden des medialen Alltags, die dem Verstande zur Verarbeitung und Einordnung auferlegt werden.

Die neueste Attacke auf den gesunden Menschenverstand widmet sich dem Begriff der Kunst. Nun ist Kunst bekanntlich Geschmacksache und mir obliegt nicht die Wertung verschiedenartiger Kunst-Stilistiken nach meinen persönlichen Vorlieben. Man kann Picasso schön finden oder auch nicht, aber die Bedeutung des Begriffes Kunst wird, bei aller Abstraktion seiner Werke, durch diesen Künstler nicht in Frage gestellt.

Ganz anders allerdings stellen gewisse Performance-Darbietungen den Kunstbegriff auf eine harte Probe. Ich erinnere mich an eine Vorstellung eines dieser „Künstler“ in Wuppertal in den 90er Jahren, der sein Publikum damit unterhalten hat, sich mit seinen Fäkalien einzureiben. Es dürfte wohl nicht schwer fallen, einem solchen Narzisten eine ausgeprägte psychische Störung zu unterstellen, da auch die Motivation zu solch einer Aktion sehr grenzwertig sein dürfte. Allerdings hat eine solche Performance einen sehr geringen politischen Kontext und damit auch eine sehr begrenzte gesellschaftliche Relevanz. Die Frage, ob derartige talentlose Performance als Kunst bewertet werden darf, sollte allerdings erlaubt sein.

Die selbe Frage stellt sich auch bei der geplanten Performance eines armenischen Darbieters mit Namen Mischa Badasyan,

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der sein Projekt in einer Online-Zeitung bewerben darf, die sich in neuester Zeit mehr als einmal einen schlechten Ruf damit verschafft hat, dass ihre Beiträge und Artikel auf dem Kopf, anstatt auf den Füßen, stehen. Gemeint ist der Online-Auftritt der Zeitung „Die Welt“. Worum geht es? Hier geht es um eine, vom deutschen Steuerzahler finanzierte, Performance eines schwulen Armeniers, der es sich zum Ziel gesetzt hat „365 Tage Sex mit einem anderen Mann“ zu haben und darüber Tagebuch zu führen. Es ist nicht meine Absicht dieses Unterfangen auf seinen moralischen Gehalt hin zu bewerten. Auch ist der politische Kontext einer derartigen Aktion offensichtlich genug, um hier als zweitrangig betrachtet zu werden.

Als Künstler (Musiker) stelle ich mir lediglich die berechtigte Frage, ob man, mit gesundem Menschenverstand, eine solche Performance als Kunst bewerten kann. Meine Antwort lautet (wen wundert’s?): nein. Denn, anders als einige zeitgenössische Unkritiker, bewerte ich den Kunstbegriff nicht allein an seiner politischen und ideologischen Aussage, die in diesem Falle, anders als in dem oben genannten Beispiel, zweifellos vorhanden ist, sondern vor allem an der besonderen Fähigkeit, welche (durch Talent oder Übung) Kunst von einer gewöhnlichen Handlung unterscheidet. Wie begründe ich dieses kategorische Nein? Der Kern meiner Überzeugung liegt weniger in der philosophischen Erläuterung des Kunstbegriffes an sich, sondern in der Tatsache, dass wesentlich talentiertere Handlungen als die geplante Performance-Aktion eben nicht als Kunst eingestuft werden. Was bitte erhebt den täglichen homoerotischen Trieb eines Mannes in die höheren Weihen der Kunst? Gar nichts. Intimität ist, selbstredend, Privatangelegenheit. Öffentliche Zurschaustellung von Intimität ist Pornographie. Nun bin ich kein Moralapostel, der in missionarischer Manier vor Pornographie warnt und diese verteufelt. Mir geht es, wie gesagt nicht um eine moralische Bewertung dieser Aktion. Allerdings bin ich der Meinung, dass Pornographie nicht automatisch dadurch zur Kunst wird, dass man ihr einen politischen Hintergrund anheftet. Dadurch wird Pornographie allerhöchstens zu einer Ideologie, aber eben nicht zu Kunst.

Karsten Mende

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