Qualitätsjournalismus? – Fragen müssen gestellt werden

In jungen Jahren habe ich dem Beruf des Journalisten einen hohen Stellenwert zugeschrieben. Ein Journalist war in meiner Vorstellung ein informierter und wortgewandter Zeitgenosse, der sich in die Tiefen der politischen und gesellschaftlichen Unterwelt gewühlt hat. Ein Journalist hatte die Aufgabe, die dort vergrabenen Zusammenhänge, kenntnisreich und allgemein verständlich, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In diesem Sinne haben sich Veränderungen eingestellt, die sich nicht mit meinem zunehmenden Alter erklären lassen, sondern eher mit einem Verrat an den obersten Prinzipien des Journalismus an sich.

Hierfür exemplarisch habe ich einen Artikel des Online-Portals der Zeitung Die Welt zum Gegenstand einer grundsätzlichen Bewertung der Qualität des „Qualitätsjournalismus“ herangezogen. Die inhaltliche Unsinnigkeit dieses Artikels ist in dieser Betrachtung nicht der Kern meiner Kritik. Dieser liegt eher darin begründet, dass dieser Beitrag von Frau Andrea Seibel, die auf der Webseite als stellvertretende Chefredakteurin geführt wird, von einer derartig miesen sprachlichen Qualität durchzogen ist, dass man zu Recht den Beruf des Journalisten in Frage stellen muss.

Lesen Sie selbst: „Schotten – ihr nervt, und zwar beträchtlich!“

Bei einem Satz, wie „Liebe Schotten, Sie wollen unabhängig werden von den Engländern.“, habe ich den Eindruck, dass dieser eher dem Niveau einer Schülerzeitung entspricht, als der sprachlichen Finesse einer Qualitätsjournalistin. Dieser Eindruck soll bei der Lektüre des gesamten Artikels bestehen bleiben. Wie sonst, als sprachlich mies soll man einen Satz wie „Warum jetzt, liebe Schotten und Schottinnen, nach über 300 Jahren, und nun, wo Großbritannien in einer fundamentalen Krise ist, schaut man auf sein Standing in Brüssel, wo Politiker des Königreiches wie Outcasts und Lunatics behandelt werden.“ bezeichnen? Ist eine derartige Formulierung überhaupt als Journalismus zu betrachten?

Dieses Pamphlet ist der Bezeichnung als Journalismus absolut unwürdig. Ebenso unwürdig ist es, wenn sich jene Frau Seibel, ohne über rudimentäre geschichtliche Kenntnisse zu verfügen, zu aktuellen politischen Themen äußert. Aber das ist eine inhaltliche Kritik, die hier nicht näher beleuchtet werden soll. Bleibt mir nur noch zu erwähnen, dass Die Welt ein Teil des Medienkonzerns Axel Springer ist. Ungenügende Kompetenz ist daher wohl eher als Markenzeichen, denn als Mangel zu betrachten.

Karsten Mende

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