Querschläger aus der Humboldt-Universität – Zirkumzision ist keine Verstümmelung?

In der Online-Ausgabe des „Berliner Kurier“ bin ich heute morgen auf einen sonderbaren Artikel gestoßen. Die Überschrift lautet „HU-Professorin fordert: Beschneidung bei Mädchen soll erlaubt sein“. Bekanntlich ist die Humboldt-Universität für geistige Rohrkrepierer, die sich mit dem Intimbereich des Menschen beschäftigen, immer gern zu haben. Daher wundert es nicht, dass derartig absurde Gedankengänge aus den Mauern dieser ehemaligen Bildungseinrichtung an das Ohr der Öffentlichkeit dringen.

Prof. Dr. Tatjana Hörnle, ihres Zeichens Jura-Professorin, hat sich hier mit einem besonders zynischen genderistischen

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Kunstgriff aus dem Fenster ihrer Fakultät gelehnt. In Anlehnung an die Zirkumzision bei Jungen vertritt diese „Juristin“ die Ansicht, dass die Entfernung der Klitoris-Vorhaut nicht als Verstümmelung gelten kann, „weil nichts amputiert werde.“ Abgesehen von der Tatsache, dass die von ihr erwogene Form der Verstümmelung in dieser Form kaum praktiziert wird, und bei den meisten betroffenen Mädchen weit mehr als nur die Klitoris-Vorhaut entfernt wird, vertrete ich die Meinung, dass ein jeder mit einem Schneidwerkzeug getätigte Eingriff in den Intimbereich eines Menschen als Verstümmelung zu gelten hat; und zwar unabhängig von der Art des Einriffes oder des Geschlechts der betroffenen Person. Ganz besonders, da es sich bei den Betroffenen zumeist um Kinder handelt.

Der Kinderarzt Dr. Wolfram Hartmann, der sich gegen jegliche Form von Beschneidungen ausspricht,

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scheint dem unsachlichen Eingriff dieser „Juristin“ in sein Berufsfeld mit einiger Fassungslosigkeit zu begegnen, da diesem wohl die Auswirkungen der Jungenbeschneidung, die für Frau Hörnle wohl überhaupt kein moralisches Problem darstellen, aus seiner täglichen Erfahrung geläufig sind.

Ich jedenfalls erkenne in diesem genderistischen Vorstoß ein weiteres Beispiel der Legitimierung von Gewalt an Jungen. Frau Hörnle betrachtet mit ihrer Meinung die Beschneidung von Jungen nicht als Verstümmelung. Die geläufigen Formen der weiblichen Beschneidungen sind aus ihrer Betrachtung ausgeklammert und eben nicht legitimiert worden, wie es die Headline des „Berliner Kurier“ hier andeutet.

Aus diesem Grund ist die Aufregung von Dr. Roland Scherer unnötig, da die von ihm behandelten Patientinnen überhaupt nicht zur Debatte stehen. Das derartige Eingriffe abzulehnen und zu verurteilen sind, versteht sich bei Menschen mit Integrität von selbst. Jedoch sei in diesem Zusammenhang auf einen irrigen Umstand hingewiesen, der als „Argument“ gegen die weibliche Beschneidung immer wieder gern genutzt wird. Zitat: [Es ginge bei der Beschneidung, die seit Jahrtausenden im nördlichen Afrika, dem Nahen Osten und Südostasien millionenfach praktiziert wird, um die Entfernung der Klitoris: „Und das ist so, als ob man einem Mann den Penis abschneidet.“]

Ich möchte nochmalig betonen, dass ich, im Sinne von Dr. Hartmann, jegliche zwangsweisen Eingriffe in den Intimbereich ablehne. Allerdings bin ich der Meinung, dass die Amputation des Penis, im Gegensatz zur Klitoris der Frau, erhebliche Auswirkungen auf die Zeugungsfähigkeit von Nachwuchs haben würde. Wären die Auswirkungen hier auch nur annähernd gleich, dürfte es gewisse Populationen der Menschheit seit Jahrtausenden nicht mehr geben.

Karsten Mende

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5 Kommentare zu „Querschläger aus der Humboldt-Universität – Zirkumzision ist keine Verstümmelung?

  1. Ich finde de Vorstoß gut, denn er wird entweder zu gar nichts führen oder dazu, daß die Verstümmunlung der Jungen im Zuge des Schutzes von Mädchen noch einmal diskutiert werder wird.

    Es gibt eigentlich nur Beispiele, daß sich die Bedingungen für Jungen und Männer verbessern, wenn die Bedingungen für Mädchen und Frauen verbessert werden: Ob es nur um Arbeitsschutz oder Arbeitsbedingungen geht, Gesundheitsvorsorge oder Familienplanung – alle reißen sich um die Frauen und die Männer interessieren nicht.

    Das mag nicht richtig sein, aber es ist ein Weg der funktioniert – und das hat auch seine Vorteile.

    1. Glaube ich nicht. Eher wird sich die Debatte darauf verfestigen, dass jegliche Eingriffe in das weibliche Geschlecht zu verurteilen sind, die Eingriffe in das männliche Geschlecht hingegen als Lapsus abgetan werden: Status Quo eben. Da von feministischer Seite jedoch eine flächendeckende Amputation von Penissen erwogen und gutgeheißen wird (Alice Schwarzer) denke ich nicht, dass sich für die männliche Seite etwas zum besseren wenden wird. Dazu müssten im religiösen und kulturellen Verständnis von Muslimen und Juden Paradigmenwechsel eintreten, die eher nicht zu erwarten sind. Gegen die weibliche Genitalverstümmelung gibt es schon zielgerichtete Initiativen, die auch Erfolge vorweisen können. Für die Jungs hingegen gibt es nur scheinheiliges Gelaber im Stile von Frau Hörnle, dass schon vom Ansatz her keine Grundlage für eine ernsthafte Auseinandersetzung bietet. Dieser Vorstoß kommt nicht umsonst von einer radikal-feministischen Kaderschmiede. Glaubst du, dass von dort irgend ein Beitrag zur Verbesserung der Situation für Jungs und Männer ausgehen kann?

  2. Die Frau Professorin scheint weder von Beschneidungen noch von anderen gynäkologischen Operationen die geringste Ahnung zu haben. Wir führen in Berlin regelmäßig Schamlippenverkleinerungen mit und ohne Kürzungen oder Verkleinerungen der Klitorisvorhaut durch, mit einer „Beschneidung“ der Frau haben diese Eingriffe aber auch nicht das Geringste zu tun.

    1. Ich denke, es kann von einer Jura-Professorin keine profunde Kenntnis der Gynäkologie erwartet werden. Allerdings ist es mir schleierhaft, warum ich (als männlicher Blogger) die von Ihnen angedeutete Unterscheidung verstehe und eine weibliche Person, die einen Professoren-Titel in ihrem Namen trägt nicht. Ausgehend von einer ärztlichen Indikation hat bei einer jeglichen Operation das Risiko mit dem Nutzen abgewogen zu werden. Das ist nicht immer einfach und kann im gegebenen Fall auch zu einer Entscheidung GEGEN eine Operation führen.
      Bei einer rituellen Prozedur, wie einer Beschneidung steht die Tat an sich aber schon im Voraus fest und ist keinerlei Abwägung unterworfen. Der von Frau Professorin Hörnle so harmlos erachtete Eingriff ist somit keine Operation im klassischen Sinne, sondern eine Straftat ohne wenn und aber.

      Viel schlimmer allerdings ist, dass Frau Professorin Hörnle von ihrem eigenen Fachgebiet keine Ahnung hat. Denn dann wüsste sie, dass sogar eine Operation mit ärztlicher Indikation grundsätzlich den Straftatbestand der Körperverletzung erfüllt. Die rechtlichen Umstände des Handlungsspielraums eines Arztes abseits der Strafbarkeit sind komplex, sollten jedoch einer Juraprofessorin, die sich zu einem solchen Thema äußert, zumindest in ihrer Existenz bekannt sein. Wären sie das, hätte Frau Prof. Hörnle es niemals in Betracht gezogen, einen rituellen Eingriff in die menschliche Anatomie in Erwägung mit einer Legalisierung zu thematisieren.

      Das Problem ist jedoch politischer und nicht juristischer Natur. Rituelle Genitalverstümmelung ist in jedem Falle eine Straftat, da diese Praxis niemals den medizinischen Kontext beinhaltet, in dem der Straftatbestand aufgehoben werden kann. Nur wird diese Straftat bei männlichen Kindern geduldet, ein Umstand der bei weiblichen Kindern nicht hinnehmbar erscheint. Deshalb dieser Vorstoß, eine rituelle Handlung zu legalisieren, die bei Mädchen ohnehin kaum Anwendung findet, während die real praktizierten Beschneidungen bei Mädchen (hoffentlich) verboten bleiben, jedoch männlichen Kindern damit jegliche juristischen Möglichkeiten zu verbauen.

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