Ambivalenz zwischen Herz und Verstand – BILD-Boykott

Eine neuerliche Entwicklung in der Presselandschaft stimmt mich bedenklich und hinterlässt bei mir ambivalente Gefühle. Gemeint ist hier das „BILD-Bashing“. Im ersten Moment habe ich diese Entwicklung mit einer gewissen Schadenfreude bedacht. Dass dieses Springer-Blatt unterstes journalistische Niveau ist, sollte jedem halbwegs intelligenten Menschen klar sein. Das zu kritisieren ist jedoch nicht mein Anliegen. Ich finde es, trotz des ausgewiesenen Schundes dieser Zeitung, bedenklich, dass sich Tankstellen- und Kioskbetreiber zu Zensoren aufschwingen und dem Kunden Informationen vorenthalten. Bild

Es steht jedem Kunden frei die Zeitung zu kaufen oder eben das nicht zu tun. Hat es denn jemals einen Anbieter von Lektüre auf die Idee gebracht keine Frauen-Zeitschriften mehr zu vertreiben, nur weil darin ausschließlich Schund und Lügen zu finden sind? Nein, hat es nicht. Es mag wohl vorkommen, dass es unbedarfte Leser der BILD-Zeitung gibt, die die darin enthaltenen Informationen für bare Münze nehmen, aber den meisten Lesern dürfte klar sein, was sie von den „Nachrichten“ dieses Blattes zu halten haben. Wer diese Zeitung als Quelle für Argumente angibt, macht sich meistens lächerlich.

Es ist nicht im Sinne der Meinungsfreiheit, unliebsame Zeitungen zu boykottieren, nur weil sie Schund schreiben. So edel die Beweggründe hierfür sein mögen, so sehr erinnern sie mich doch an frühere Epochen der deutschen Geschichte, in denen es (nicht nur) an ausgewogener Information mangelte. Bild-BoykottAußerdem lässt sich der Inhalt von BILD mühelos auch auf andere Produkte der so genannten Qualitätsmedien übertragen. Ein vollständiger Boykott von Informationen, nur weil sie falsch und hetzerisch sind, müsste in den Zeitungsregalen der Vertreiber konsequenterweise einen Kahlschlag herbeiführen, der sich in etwa mit dem Anblick eines Lebensmittelgeschäftes der UdSSR in der Zeit ihrer Auflösung vergleichen lässt. Und glauben Sie mir, kritischer Leser, das ist kein schöner Anblick. leere-ladenDes weiteren kann man den Text nebenan auch in Reinschrift abfassen, der dann lautet ‚Wir unterstützen keine weitere Meinungsbildung und stellen den Verkauf der Bild ein…‚ Denn genau das ist die Folge von Unterschlagung unliebsamer Meinungen. Daher bin ich bei näherer Betrachtung gegen diesen Boykott-Aufruf. Auch wenn mein Herz für diesen Aktionismus etwas übrig hat, sagt mir doch mein Verstand, dass ein Boykott der Bild-Zeitung der falsche Weg ist, mit hetzerischer und verleumderischer Presse umzugehen.

Wenn der Kunde sich dazu entschließt, diese Zeitung zu meiden ist das eine freiheitliche Entscheidung. Wenn Vertreiber sich weigern diese Zeitung anzubieten ist das ein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit. Das ist der kleine Unterschied.

Karsten Mende

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