Ach, was sind wir toll – ZDF-Intendant malt sich seine Welt

Seit einer geraumen Weile erleben die öffentlich-rechtlichen Medien, sowie die vermeintliche Qualitätspresse ein Trommelfeuer der Kritik aus der Bevölkerung. Nach Jahrzehnten der Kontrolle der öffentlichen Meinung ist ihnen jetzt, im Zeitalter des Internets, diese Kontrolle abhanden gekommen. Leser und Zuschauer haben über das breite Spektrum des Medienangebotes die Möglichkeit, die Informationsangebote zu prüfen und über die üblichen Quellen hinaus zu recherchieren. Dabei sind, was unvermeidlich war, mehr und mehr Ungereimtheiten zu Tage gefördert worden. Journalismus, der bisher die Oberhand in der Meinungsbildung der Bevölkerung hatte, ist zunehmend in eine Rolle geraten, die man als Defensive betrachten muss.

War es bisher üblich Online-Angeboten eine Kommentarfunktion hinzuzufügen, gehen die Medien nun vereinzelt dazu über, diese Funktion wieder aus dem Angebot zu entfernen. Die Süddeutsche, mit dem Spitznamen „Alpenprawda“, hat hierbei den Anfang gemacht. Andere Formate werden folgen. Zumindest ist es in den Hauptmedien inzwischen Usus, bei besonders kontroversen Themen die Kommentarfunktion teilweise abzuschalten. So geschehen bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Hohe Glaubwürdigkeitswerte für das ZDF? Claus Kleber beim HEUTE-Journal
Hohe Glaubwürdigkeitswerte für das ZDF? Claus Kleber beim „HEUTE-Journal“

Und genau in dieser FAZ fabuliert nun ein Intendant des ZDF darüber, dass es gar keine Vertrauenskrise der Medien gäbe. Zu diesem Ergebnis sei die „Forschungsgruppe Wahlen“ gekommen, die, so erfährt man, auch für das „Politbarometer“ des Senders für Auswertungen von Wahlen herangezogen wird. Wie objektiv diese Studie unter diesen Umständen sein kann, ist eine berechtigte Frage. Zumal die Studie den Anspruch erhebt eine „wissenschaftliche(n) Untermauerung zur Eigendiagnose“ zu sein. Von Wissenschaftlichkeit ist jedoch keine Spur in dem Artikel zu finden, schon weil ein Link oder eine Quellenangabe zu dieser ominösen Studie fehlt. Auch die fehlende Datenbasis lässt Zweifel über die Wissenschaftlichkeit aufkommen.

Das Ergebnis dieser „Studie“ war daher klar, stand es doch von Anfang an fest: „Sinkende Auflagen haben nichts mit einem Vertrauensverlust zu tun, sondern offenbar mit einem veränderten Nutzungsverhalten.“ und „Mit ihren Nachrichten erhalten ARD (+2,7) und ZDF (+2,6) noch bessere Glaubwürdigkeitswerte als für ihr Gesamtangebot.“ (Hervorhebungen: Die Kehrseite) Natürlich war das ganze eine „repräsentative Umfrage“, wobei allein der Hinweis auf die Repräsentanz die Glaubwürdigkeit der vorgestellten Zahlen unterfüttern soll. Dass eine Umfrage ohne gesicherte Datenbasis eben genau keine „repräsentative Umfrage“ sein kann, scheint für eine „Forschungsgruppe“, die für das ZDF das Politbarometer erstellt nicht weiter wichtig zu sein. So lange das vom Auftraggeber (ZDF) gewünschte Ergebnis bei dieser Umfrage herauskommt, werden ohnehin keine Fragen gestellt.

ZDF-Intendant Thomas Bellut sieht keine Vertrauenskriese der Medien
ZDF-Intendant Thomas Bellut sieht keine Vertrauenskrise der Medien

Was die Glaubwürdigkeit der Medien anbelangt ist die ZEIT jedenfalls zu anderen Ergebnissen gekommen, die im Kern die Problematik, mit der sich die „Qualitätspresse“ auseinandersetzen sollte, besser beschreibt, als die Lobhudelei des ZDF-Intendanten Thomas Bellut, der sich sichtlich stark selbst auf die Schulter klopft. Dass es Weisungen aus Washington gibt, was in den Medien wie gebracht werden darf, pfeifen mittlerweile die Spatzen von den Dächern. Dass die deutschen Leitmedien besonders gehorsame Musterknaben in Sachen politischer Korrektheit sind ist auch bekannt genug, um wenigstens auf internationaler Ebene diskutiert zu werden. Von daher ist dieser FAZ Artikel wohl eher als eine Art Durchhalteparole im kritischen Dauerfeuer der Medienkonsumenten zu betrachten. Dieser Artikel ist ein ziemlich sicheres Indiz dafür, dass besonders die öffentlich-rechtlichen Medien mit dem Rücken zur Wand stehen und, in Zeiten von GEZ-Verweigerern und dem Makel als Staatssender, den Zwängen der politischen Tagesordnung wesentlich stärker ausgeliefert sind, als andere Mediensparten und in diesem Sinne die gleichen Manipulationen nutzen müssen, die auch Politiker zu ihrer Pseudo-Legitimation benötigen. Alles in allem sind die Staatsmedien, wie das ZDF, im selben Maße obsolet, wie die pseudopolitischen Darsteller in Berlin und Brüssel. Irgendwie scheint diese Einsicht gekommen zu sein und sie bereitet ihnen Unbehagen. Diese Information ist zwischen den Zeilen des Artikels zu lesen, wenn man denn lesen kann.

Karsten Mende

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Ein Kommentar zu „Ach, was sind wir toll – ZDF-Intendant malt sich seine Welt

  1. Bei einem Blick in die Historie ist leicht festzustellen, daß stets, wenn die Öffentlichkeitsmeinung übermächtig wurde, die etablierte Politik dem Volk vorgab, wie es zu denken und zu handeln hatte, und die Medien das mit Propagandamitteln widerspruchslos transportierten, die große Stunde der Scholastiker gekommen war. Es wurde jeder schon zwangsläufig zum Häretiker, der den Zeitgeist nicht bediente. Dabei war es nicht einmal erforderlich sich kritisch zu äußern. Bei einer nüchternen Betrachtung der historischen Ereignisse, waren es immer die Zeitgeistbediener, die im Sportpalast in der ersten Reihe saßen.

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