Eine feministische Debatte – Zank um ein Zugabteil

Wie es aussieht, wenn Feministinnen vor den Scherben ihrer selbst inszenierten Medienkampagnen stehen, kann man an der neuesten Twitteraktion  #imzugpassiert  beobachten. Die erste davon, der #aufschrei, konnte von Anne Wizorek noch recht gut ideologisch vermarktet werden. Damals wurde Rainer Brüderle (FDP) von Feministinnen und Medien vorgeführt, um eine angebliche Sexismuskultur (engl. rape culture) anzuprangern, die es real nicht gab, die jedoch von Feministinnen und ihrem Umfeld hinter jeden Ecke wahrgenommen wurde. Diese infame Aktion wurde ein voller Erfolg. Die Republik bekam eine Scheindebatte präsentiert, die so weit wie möglich vom Problem der Gewalt gegen Frauen entfernt war,  wie nur möglich. Trotzdem konnten die Feministinnen um Anne Wizorek sich medienwirksam in Pose bringen. Der Ausgang dieses Komplotts ist bekannt. Brüderle und seine Partei mussten sich zurückziehen und herbe Verluste in Wählergunst und -stimmen hinnehmen. Es gäbe natürlich auch andere Faktoren heranzuziehen, um den Niedergang der FDP zu begründen, ich behaupte jedoch, dass die „Busen-Affäre“ um das liberale Urgestein das eindringlichste Medienereignis dieser Zeit war und auch in der landesweiten Debatte überwog.

Mit der im Schatten der Silvesterereignisse gestarteten Twitter-Aktion #ausnahmslos hatten die selben Feministinnen deshalb versucht an den zweifelhaften Erfolg von #aufschrei anzuknüpfen.  Das gestaltete sich zunächst schwierig, da die realen Täter von Köln den Twitter-Aktivistinnen nicht den Gefallen taten, sich in das von ihnen konstruierte Feindbild einzufügen. Schon bei #ausnahmslos liefen die eingespielten Mechanismen nicht mehr reibungslos ab. Mit ziemlich den gleichen Forderungen hatten sich Feministinnen auch mit #ausnahmslos in den Medien positioniert, obwohl die Ausgangslage eine völlig andere war. „Flüchtlinge“ können nämlich grundsätzlich keine Täter sein, sondern lediglich eine Gruppe, die nur als „Opfer“eine tragende Säule im eigenen ideologischen Gerüst sind. Die Aktion  #ausnahmslos endete daraufhin als medialer Rohrkrepierer. Die Offensichtlichkeit der argumentativen Schräglage konnte die Feministinnen jedoch nicht davon abbringen, den „weißen, heteronormativen Mann“ trotzdem in den Mittelpunkt der Aktion #ausnahmslos zu stellen.

Bildschirmfoto vom 2016-03-28 16:16:51

Die dritte #-Kampagne #imzugpassiert ist ähnlich gelagert und deshalb genau so absurd. Auch bei dieser Aktion ist es nicht wirklich gelungen, den „Brüderle-von-nebenan“ als Feindbild zu projizieren. Sogar gestandene Netzfeministinnen sprechen von einer Blamage. Das allerdings nur, weil der von Wizorek & Co. gepflegte Opfermythos mit dem Erscheinungsbild der selbstbewussten Frau kollidiert. Einer kampflustigen Genossin des Frauenpanorama gehen die in einer Regionalbahn eingerichteten „Lady-Zonen“ daher zu weit, weil der darin gebotene Schutz sich nicht mit dem Anspruch deckt, frei und unabhängig auftreten zu wollen..

In den öffentlichen Raum jedoch – ob in den Zug oder in ein Restaurant – möchte ich mich als selbstbewusst-gleichberechtigte Frau so hinein begeben, wie mir das passt – und der freien Platzwahl in Zügen, Theatern, Cafés & Co. ausgiebig frönen. (Quelle: Frauenpanorama)

Was von beiden nun lächerlicher ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Einerseits Land auf-Land ab nach „Schutzräumen“ (engl. safe spaces) vor bösen, weißen Heteros zu plärren und andererseits geschaffene Schutzangebote brüskiert abzulehnen, mag sich für Feministinnen zwar wie eine Debatte anhören, ist aber keine. Dieses Gezänk untereinander verdeutlicht nur das Dilemma, in dem der Feminismus von heute steckt. Einige wichtige, vermeintlich feministische, Errungenschaften des letzten Jahrhunderts könnten durch die sich verändernde demografische Realität in Frage gestellt werden. Das beginnt nun einigen Feministinnen aufzugehen, sehr zu ihrem Missfallen.

 

Karsten Mende

 

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