Eine Uni im Glück

Im Rückblick auf den letzten Artikel stelle ich mir dir Frage, was sich wohl Lisa Dawn Hamilton dabei denkt, dass ausgerechnet unter der feministischen Regierung Trudeau ihr Fach dicht gemacht wird. Die Seite ratemyprofessor.com gibt einen interessanten Einblick in ihren Lehrstil frei und beleuchtet die Hintergründe einer charmanten Dozentin, die witzig und locker zu sein scheint und deshalb bei Vielen äußerst beliebt. Die meisten ihrer Studenten beschreiben sie als „wonderful“ und „amazing“ und attestieren der Gender-Dozentin einen sehr entspannten Kurs zu halten. Ein Student, der sie als „durchschnittlich“ bewertete, beschreibt Hamilton als zwiespältig. Nett zwar und auch herzlich in Vorlesungen, eher kühl im persönlichen Kontakt. Auch findet er sie „disorganizend“, was ich mal mit willkürlich übersetzen möchte, denn ein weiter Kommentar beschreibt näher, dass „unorganisiert“ es nicht trifft. Dieser beschreibt eine Frau, die keinen Widerspruch duldet, nicht einmal weitere Überlegungen seien ihr geheuer. Die Meinung Anderer habe bei ihr keinen Stellenwert. Er bezeichnet sie als „Wolf im Schafspelz“, was möglicherweise auch darauf deutet, dass der Kommentator in ihr eine Tendenz zur Heimtücke erkannte:

Likely a wonderful person and certainly intelligent, however should not be in academia… Has zero issues sharing her perspective, whereas your perspective means nothing (unless you’ve adapted hers). If you’re looking to develop critical thinking, this course isn’t for you. Overall, takes a wolf in sheep’s clothing approach to teaching.

Ein andere Kommentator befindet, dass sie bei ihrer Arbeit recht frei von theoretischer  Fundierung opertiert, macht aber, wie Viele, nicht den Eindruck als ob ihn das sonderlich stört. Die meisten Teilnehmer dieses seltsamen Trüppchens lassen in ihren Kommentaren ein grundlegendes Unverständnis über wissenschaftliche Methodik erkennen und sind von Emotionen befangen, die eher auf menschlicher Basis bestehen. Der einzige Hinweis auf die wissenschaftliches Basis ihrer Arbeit findet sich in einem vernichtenden Kommentar, der ihr akademische Unreife nahelegt und  das sehr gut begründet. Und doch stehe ich der Frage, wieso dieser Kurs geschlossen werden konnte ebenso fassungslos gegenüber wie die verblüffte Genderistin selbst. Die wissenschaftlich notwendige und finanziell nachvollziehbare Entscheidung, die „Gender-Studies“ aus dem akademischen Programm zu nehmen, steht sehr im Kontrast zum gepflegten feministischen Image der der liberalen Regierung in Ottawa. Was also ist da passiert? Es lohnt sich auf jeden Fall zu beobachten, ob die Entscheidung nicht doch noch revidiert wird. Es besteht der nicht unbegründete Verdacht auf Netzwerk-Intervention zugunsten einer in Not geratenen einsamen Predigerin der Gender-Ideologie in der weiten, kalten kanadischen Provinz. Das Aus der „Gender-Sudies“ an der Universität bedeutet immerhin, dass dieser Stützpunkt verloren geht und nicht nur personell ausgedünnt wird.

Wie auch immer finde ich diesen Fall spannender als er im ersten Moment erscheinen mag. Ich hoffe, die Mount Allison University in der Provinz New Brunswick weiß diese Gelegenheit zu schätzen, dass sie wenigstens ein Jahr Ruhe hat vor der unmittelbaren Präsenz einer sektenartigen Glaubensgemeinschaft, die hinter allem und jedem sexistische Angriffe behauptet, nur um ihre eigenen sexistischen Übergriffigkeiten zu rechtfertigen. Die Mount Allison könnte sich auf verblüffende Weise zu einem „Safe Space“ entwickeln, jedoch anders als ursprünglich von Genderisten geplant.

Diese keine Universität im Osten Kanadas ist damit ein spannendes Forschungsgebiet, um die Frage zu klären, ob und wie sich die Fakultät von den Auswirkungen der Sektierer erholt. Mich würde zum Beispiel interessieren, ob sich im besten Fall Arten von Entzugserscheinungen einstellen oder schlimmer, eine Art Phantomschmerz, oder ob es sich bei den feministischen „Gender-Studies“ wirklich um einen metastasierenden Tumor handelte und dessen Entfernung keinen positiven Einfluss mehr auf einen sterbenden Patienten haben kann. Hier bietet sich ein sehr spezieller, fast einzigartiger Rahmen zur gesellschaftswissenschaftlichen Forschung.

 

Karsten Mende

 

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