Welcher Tag ist heute?

Seit einigen Jahren hat sich der Trend etabliert jeden x-beliebigen Tag des Jahres mit irgend einem x-beliebigen Motto zu versehen. So gibt es zum Beispiel einen Welttoilettentag, der am 19. November 2001 von der Generalversammlung der UNO ausgerufen wurde. Der Zeitpunkt stimmt bedenklich, weil sich kurz zuvor eine Tragödie in der Stadt New York abgespielt hatte, die sehr großen Einfluss auf die zukünftige globale Entwicklung hatte und zudem viele Menschen – nicht nur in New York – regelrecht paralysierte. Die Trümmer des World Trade Centers brannten noch, als man bei der UNO schon zur Tagesordnung der Belanglosigkeiten überging und nichts besseres zu tun hatte, als einen Welttoilettentag(!) zu bestimmen! Aber ich schweife ab. Diese Absurdität zu bewerten überlasse ich dem Leser selbst.

Ein etwas älterer Gedenktag ist der Internationale Hurentag, der seit dem Jahre 1976 an jedem 2. Juni zelebriert wird. Ich gestehe, dass ich bisher nichts von der hintergründigen Bedeutung dieses Datums wusste, bin aber heute von einem Artikel in der Welt darauf aufmerksam gemacht worden. Unter der Rubrik „Politik“ ist hier zu erfahren, dass Prostituierte in Deutschland mit gesetzlichen Neuregelungen hadern. Im Einzelnen richtet sich der Ärger gegen Regelungen, die angeblich der Kriminalisierung des „ältesten Gewerbes der Welt“ entgegenwirken sollen, jedoch im Ergebnis das Gegenteil bewirken könnten.

Vor allem die Anmeldeauflagen werden von den Vertreterinnen der Sexlobby gegeißelt. Sie sehen ihr Recht auf freie Berufsausübung und sexuelle Selbstbestimmung beeinträchtigt. Und selbst Sozialverbände wie das Evangelische Werk für Diakonie lehnen die Anmeldepflichten ab. Sie fürchten das Abgleiten in die Illegalität.

Die Befürchtungen der Betroffenen und Sozialverbände sind nicht unbegründet. Dieses Gewerbe lässt sich seit jeher nicht mit anderen beruflichen Branchen vergleichen. Leider ist es eine Tatsache, dass besonders im Rotlichtmilieu genau in den Bereichen besonders viel verdient wird, die beim besten Willen nicht mehr unter die Regelungen der Sozialgesetzgebung fallen. Das Sexgewerbe ist fest in der Hand der organisierten Kriminalität, obwohl die Prostitution im Jahre 2002 legalisiert wurde. Abgesehen von ein paar Vorzeigebordellen, wie dem „Pascha“ in Köln, ist ein Großteil dieses Milieus tief in der Illegalität verankert, Legalisierung hin oder her. Dass bürokratische Regelungen hier überhaupt greifen ist zu bezweifeln. Daher ist die künstliche Aufregung um den Gesetzentwurf nicht viel mehr als heiße Luft. Auch glaube ich kaum dass Prostituierte, die wirklich unter menschenunwürdigen Bedingungen anschaffen müssen, heute „frei bekommen“ haben, um  in Berlin gegen die politische Blindwütigkeit der Minister Maas und Schwesig (beide SPD) zu demonstrieren.

Darüber hinaus ist sowohl der Artikel der Welt wie vermutlich auch die Gesetzesvorlage unvollständig. Während weibliche Prostituierte mit Gesetzesinitiativen bedacht werden (so fragwürdig die auch sind) und im Umfeld der großen Politik mit Medienrummel und großem Tam Tam Aufmerksamkeit beschert bekommen und gegen ihre „Tabuisierung“ kämpfen (Finde den Fehler!), bleibt die Gruppe der männlichen Sexarbeiter komplett unerwähnt. Weder im Video, noch dem Artikel findet sich auch nur ein einziger Hinweis auf Callboys oder Stricher. Auch andere Publikationen, wie etwa die Online-Ausgabe des Vereins Junge Wissenschaft im Öffentlichen Recht e.V. weisen nicht deutlich genug auf den Umstand hin, dass die Dienstleistung der Prostitution nicht nur von Frauen angeboten wird. Es wird in diesem Artikel zwar nicht mit „Gendersternchen“ gespart und der Anschein von „Geschlechtergerechtigkeit“ gewahrt, jedoch wird im Text deutlich, dass es hier lediglich um die Belange von Frauen geht und Männer nur im Hintergrund als „Täter“ überhaupt eine Rolle spielen. Dabei ist besonders diese Gruppe viel härter von Diskriminierung und Abschätzigkeit betroffen und in der gesellschaftlichen Stellung wesentlich tiefer angesiedelt als weibliche Huren.

Wieder einmal zeigt sich hier die Heuchelei und Doppelmoral der genderistischen Politik, die Frauen überall mitgemeint haben will, aber über diskriminierte Männer nicht ein Wort verliert. Nicht einmal auf  queer.de wird heute, am internationalen Gedenktag der Prostitution, auf diese Ungerechtigkeit hingewiesen, obwohl ein nicht geringer Teil männlicher Sexarbeiter für die zum Teil abartigen Wünsche männlicher Kunden aufs Übelste ausgenutzt wird. Die Frage muss also gestellt werden, warum zum Beispiel Volker Beck  (B’90/Die Grünen) zu diesem Thema viel lauter schweigt als Schwesig und Maas.

 

Karsten Mende

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