Ein hausgemachtes Dilemma

Der Tagesspiegel vom 22.10.16 berichtet über ein Problem, dass eigentlich schon seit Jahrzehnten besteht, aber nun so deutlich wird, dass es nicht mehr zu beschönigen geht. Dass das Bildungswesen in Deutschland in einem desolaten Zustand ist, pfeifen, besonders in Berlin, die Spatzen von den Dächern. Die mangelhafte Grundbildung wirkt sich dahingehend aus, dass es offenbar mittlerweile kaum noch möglich ist Lehrer auszubilden.

Seit einiger Zeit ist ein stetiger Verfall der Rechtschreibkenntnisse zu beklagen. Wer in sozialen Netzwerken die Kommentarspalten liest, dem fallen grundlegende Mängel in der Großschreibung von Subjektiven, sowie andere grammatikalische Fehler auf, die oft die Frage aufwerfen, wie die betreffenden Kommentatoren zu einem Schulabschluss gekommen sein könnten. Heute, so muss man annehmen, bekommt man diese Abschlüsse für Lau. Auch die Allgemeinbildung heutiger Schulabgänger weist mitunter eklatante Lücken auf. Nun kann eine mangelhafte Allgemeinbildung im Rahmen einer Berufsausbildung wenigstens zum Teil behoben werden, doch stellt dieser für Betriebe zusätzliche Aufwand eine Mehrbelastung dar und mindert letztlich auch die Qualität der Berufsausbildung, da der Zeitrahmen dafür nicht verlängert wurde.

Bei einem Studium auf Lehramt hingegen ist das kaum möglich, weil Lehrer nach einem solchen Studium fertig ausgebildet sein sollten und auch direkt in den Kontakt mit Schülern kommen, die sich auf die Qualität des Lehrers verlassen können müssen. Es gibt in diesem Beruf keine Schonfrist, denn von wem sollten Lehrer auch korrigiert werden? Von den Schülern? Das ist kaum anzunehmen. Wenn eine Grundschullehrerin das Wort Tiger mit „ie“ schreibt, ist nicht zu erwarten, dass Schüler sie auf diesen Fehler aufmerksam machen könnten. Angeblich sollte das Lernprinzip „ Schreiben nach Gehör“ eine Hilfe für die Schüler sein, um sich besser und schneller in die Sprache einzufinden und sich im späteren Schulalltag von selbst korrigieren. Dass das nicht funktionieren kann ist für halbwegs intelligente Menschen klar, doch wurden die Bedenken dazu damals abgebügelt und die Kritiker auf bekannte Art mit den Attributen „fortschrittsfeindlich“ und „reaktionär“ niedergemacht. Der Verdacht, dass dieses „progressive“ Lernprinzip nur eingeführt wurde, um die Rechtschreibmängel der Grundschullehrerinnen zu vertuschen, ist nicht mehr von der Hand zu weisen, denn nicht nur in der oft beschworenen weiblichen Kernkompetenz der Kommunikationsfähigkeit hapert es gewaltig.

Offensichtlich ist es eben nicht nur die Orthographie, die angehende Grundschullehrerinnen nicht mehr beherrschen. Auch in Mathematik sind viele von ihnen kaum noch in der Lage, die rudimentären Anforderungen der Grundschule zu erfüllen. Im Tagesspiegel liest man von Studenten, die zu hohe Anforderungen beklagen. Berichtet wird außerdem, dass die schwierigsten Aufgaben aus der Wertung genommen wurden. Wie aber lassen sich diese Mißstände erklären? Immerhin haben alle Studenten auf Lehramt vor ihrem Studium erfolgreich das Gymnasium absolviert.

In den letzten Jahren war des öfteren von einer „Inflation“ von sehr guten Abiturabschlüssen die Rede. Auffällig dabei ist, dass besonders Mädchen für dieses scheinbar positive Ergebnis gelobt wurden. Es hieß, dass Mädchen intelligenter wären und gegenüber den Jungen in der schulischen Laufbahn deutlich bessere Ergebnisse erzielten. Wieso also jetzt dieser Katzenjammer aus Berlin? Tatsache ist, dass der weibliche Anteil im Studium auf Lehramt deutlich überproportional liegt. Für den Bereich Grundschule gilt diese Feststellung um so mehr. Warum treten aber jetzt genau dort solch eklatante Mangelerscheinungen auf? Sind die vielen „Super-Girls“ in Wirklichkeit an einen Abschluss geraten, der überhaupt nicht ihrem Bildungsstand entspricht? Die Indizien, die sich nicht mehr schön reden oder vertuschen lassen, sprechen eindeutig für diese Annahme. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand.

Wenn man sich die Prioritäten im Bildungswesen betrachtet, dann muss man konstatieren, dass diese sich zur Ideologisierung hin verschoben und, besonders in Ländern mit rot-grüner Regierung, die rote Linie zur Indoktrination überschritten haben. Ob es sich dabei um Sexualisierung des kompletten Unterrichts, oder aber um politische Überzeugungsmaßnahmen handelt ist nicht von Belang. Schüler werden mehr und mehr konditioniert im Unterricht fest vorgegebene Meinungen und Parolen auswendig zu lernen. Selbstständiges und kritisches Denken kommen in diesem Unterrichtsklima logischerweise zu kurz. Möglich ist, dass hierfür das Bildungswesen der ehemaligen DDR Pate gestanden hat, dass zwar auch unter politischer Indoktrination zu leiden hatte, doch durchweg bessere Ergebnisse auch und gerade in Fächern wie Mathematik vorweisen konnte. Allerdings hat in der DDR politische Indoktrination nur einen Teil des Unterrichts ausgemacht, während naturwissenschaftliche Fächer weitgehend ideologiefrei unterrichtet wurden. Rot-grüne Bildungspläne zeichnen sich jedoch dadurch aus, dass die vorherrschende Ideologie allumfassend in den Unterricht eingewoben wurde und eben auch in naturwissenschaftlichen Bereichen, wie etwa Biologie, gehobene Priorität hat. Darin liegt der Unterschied.

Die Erfahrung hat uns im Laufe der Geschichte gelehrt, dass es zwischen den Geschlechtern große Unterschiede in den Fähigkeiten und Vorlieben gibt. Das ist ein Fakt. Bis auf wenige Ausnahmen ist nahezu jegliche Form von technischer Entwicklung auf die Fähigkeiten und Vorlieben von Männern zurückzuführen. Man kann diese Tatsache nicht leugnen, obwohl es von Seiten der Gender-Ideologen neuerdings Versuche gibt, technische Innovationen den Frauen zuzuschreiben. Auch Lehrpläne und Ausbildungsziele werden im Rahmen des Genderwahnes so verschoben, dass an Mädchen Attribute vergeben werden, die sie eigentlich nicht haben. Ein Blick auf die Webseite „gender und schule“ veranschaulicht das deutlich.

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Ziel ist nicht etwa, Mädchen an Mathematik heranzubringen, sondern den Unterricht soweit anzupassen, dass er für Mädchen mundgerecht serviert wird. Anstatt Mädchen dafür zu sensibilisieren, dass Mathematik zwar schwierig ist, aber es sich dennoch lohnt, sich den Schwierigkeiten zu stellen, wird hier eher angestrebt das Niveau des Unterrichts soweit abzusenken, dass Mädchen sich für das Fach begeistern. Obwohl alles dagegen spricht, wird mit der Überschrift „Mathematik – Lieblingsfach der Mädchen“ eine Umstand suggeriert, der einfach nicht den Tatsachen entspricht.

Völlig esoterisch geht es weiter mit:

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Auch hier ist der ideologische Fingerabdruck der „Gender-Studies“ mit dem Verlangen nach „safe-spaces“ nicht zu übersehen. Ob unter diesen Bedingungen problemorientiertes Arbeiten und die Lösung von Aufgaben möglich ist, wage ich zu bezweifeln. Die Schwierigkeiten, welche besonders Mädchen mit logischen Fächern, wie eben Mathematik haben lassen sich nicht durch Meditation und anderen Hokuspokus beheben, sondern nur dadurch, dass auch Mädchen sich, genau wie Jungen, mit der Materie ihres Unterrichts auseinandersetzen und es einfach begreifen müssen, ob sie wollen oder nicht.

Dass sie das größtenteils nicht wollen belegen Maßnahmen wie diese, die es andernfalls nicht gäbe. Belegt wird dieser Umstand eben auch dadurch, dass, wie jetzt in Berlin geschehen, sich junge Frauen gegen Prüfungsanforderungen auflehnen, obwohl diese schon soweit wie möglich gesenkt wurden, um überhaupt noch Grundschullehrerinnen einstellen zu können.

Karsten Mende

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6 Kommentare zu „Ein hausgemachtes Dilemma

  1. 2010 schon hatte ich so eine Begegnung der dritten Art. In der HR-Sendung „Straßenstars“ wurde eine junge GrundschullehrerIn nach der Einwohnerzahl der BRD befragt. Die Antwort war: „ZWEIUNDZWANZIG MILLIONEN“! Nicht mal so weit von der da schon angeschlossenen DDR entfernt.

    Die unterrichtet Kinder in der Grundschule! Niemand da weit und breit, der sie korrigieren oder ihrer fehlenden Allgemeinbildung auf die Sprünge helfen könnte.
    Aber bestimmt hat die eine ganz besonders gut bewertete Abschlussprüfung hingelegt.

    Als sie den Moderator aus den Latschen kippen sah, angelte sie sich über 23, 24, bis 27 Millionen hoch. Es war also kein Versprecher.

    http://wgvdl.com/forum2/mix_entry.php?id=125197

    1. Ja, es ist schon ein Trauerspiel, was sich heute so alles an Grundschulen abspielt. Aber Mädchen bekommen eben das Abitur geschenkt. Bevorzugt wurden sie schon immer. Aber im Gender-Zeitalter müssen sie scheinbar überhaupt keinen Leistungsnachweis mehr erbringen. Mädchen zu sein reicht. Das wird ihnen so lange eingeredet, dass sie überhaupt nicht verstehen können, warum das eben an der Realität scheitern muss. Die jungen Schnepfen heutzutage sind zum Teil extrem dumm. Das wäre halb so wild, wenn diese Dummheit nicht mit dieser Arroganz und Überheblichkeit gepaart wäre.

  2. Ich teile ihr Meinung in großen und ganzen finde aber eine Passage unfair:
    >>Bis auf wenige Ausnahmen ist nahezu jegliche Form von technischer Entwicklung auf die Fähigkeiten und Vorlieben von Männern zurückzuführen.<<

    Aus der Historie heraus muss man schon zugeben, dass Frauen und Mädchen nicht im gleichen Maßen an der Bildung teilhaben durften und die Erwartungen alles andere wie Erfindungen und Innovation zuließen.
    Das spielt heute zwar keine Rolle mehr, es ist aber durchaus schwerer heute noch was bedeutendes zu erfinden. Ich halte die Innovationen seit dem Internet nur noch für Verbesserungen von bestehenden.

    Diese tolle Kommunikationsfähigkeit der Frauen kann man ja besonders gut nach Trennungen sehen. Die meisten reagieren dann nur noch irrational und kompromisslos.

    1. Es ist aber Fakt, ob Sie das fair finden oder nicht. Das hat auch ein wenig mit Notwendigkeit zu tun. Viele Innovationen sind auf Kriege zurückzuführen. Auch das kann einem übel aufstoßen, es ändert aber nichts an dem Umstand, dass es so ist. Ich sehe es eher so, dass sowohl Männer wie auch Frauen in ihrem angestammten Umfeld innovativ sein könnten, ganz einfach weil jeder sein Umfeld besser kennen sollte. Früher waren Frauen für den Haushalt zuständig. Wer aber hat denn zum Beispiel die Waschmaschine erfunden? Lesen Sie sich diesen Wikipedia-Beitrag durch und versuchen Sie einen Frauennamen zu finden. Das heißt, dass es selbst damals an Männern lag, den Frauen ihre Arbeit zu erleichtern, obwohl die Waschküche nicht zu ihrem Arbeitsumfeld gehörte. Hätten sie das nicht getan, würden Frauen heute noch ihre Rücken schinden, bei dem Bemühen, die Wäsche sauber zu bekommen. Ich habe die wenigen Ausnahmen im Artikel angedeutet. Das halte ich in diesem Zusammenhang für fair genug.

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