Pressekodex & Migrantengewalt – Sind „Männer“ das Problem?

 

Mittlerweile liest man fast täglich – meistens zuerst bei FOCUS-ONLINE  und WeLT– über die sexuellen Misshandlungen von Frauen durch Migranten. Die Verfahrensweise, die sich viele andere Presseorgane zu eigen gemacht haben, entweder ganz oder möglichst zur Herkunft des Täterkreises zu schweigen, ist auf den so genannten Pressekodex 12.1 zurückzuführen.

Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.

Richtlinie 12.1 – Berichterstattung über Straftaten

In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht.

Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.

(Hervorhebung: Die Kehrseite)

Allerdings muss die Frage erlaubt sein, warum der oben rot markierte Teil des Antidiskriminierungsgebotes in der Richtlinie 121.1 nicht vorkommt. Bisher hat sich noch kein Journalist gescheut „Männer“ explizit zu erwähnen, selbst die Medien nicht, die sonst peinlich genau auf die Einhaltung des Pressekodex achten. Auch beim FOCUS, der sich nicht scheut wenigstens die Ethnie der Täter zu beschreiben, lautet der Titel „Männer schlagen Krankenschwester bewusstlos und missbrauchen sie“„Männer“ so suggerieren solche Meldungen, sind das primäre Problem und das Subjekt, vor dem sich „Frauen“ zu fürchten haben, besonders wenn dem Pressekodex Folge geleistet und die Ethnie der Täter verschwiegen wird.


Im Oktober 2013 schrieb Canan Topçu in der ZEIT den vielsagenden Artikel „Lieber politisch korrekt als politisch falsch“, der sich sehr eigentümlich mit dem Pressekodex 12.1 auseinandersetzte. Darin stellte sie sich entschieden gegen den Journalistik-Professor Horst Pöttker, der die Nennung des ethnischen Hintergrundes von Tätern für richtig und notwendig hielt. Die Gewaltkriminalität von Migranten war schon damals ein Thema von überregionaler und auch übergeordneter Bedeutung. Horst Pöttker begründete in seinem Artikel nachvollziehbar und faktisch korrekt, dass der Missbrauch des Kodex‘ überhaupt erst die Munition liefert, mit der anschließend, in Form der daraus resultierenden Formulierung „Lügenpresse“, auf die Medien gefeuert werden kann. Er begreift Medienkonsumenten als „mündiges Publikum“, das diese Maßnahme der Selbstzensur durchschaut und sich bei der krampfhaften Unterschlagung der ethnischen Hintergründe von Gewalttätern seinen Teil denkt. Wer hin und wieder einmal die Kommentare (soweit sie überhaupt zugelassen werden) unter entsprechenden Artikeln zur Kenntnis nimmt, kann diese Argumentation von Herrn Pöttker nachvollziehen.

Dass Frau Topçu jedoch keine Journalistin sein, sondern als Ideologin gesehen werden möchte, beschreibt sie in ihrem Artikel selbst:

Die Forderung des Professors ist falsch, denn sie verbaut mehr Wege zur Wahrheit als sie eröffnet. Pöttker geht von einem „mündigen Publikum“ aus, an das sich Journalisten zu richten hätten. Ich nicht. Ich habe lediglich Bürger vor Augen, die ich nach bestem Wissen und Gewissen informieren möchte.

(Hervorhebung: Die Kehrseite)

Erstens spricht Topçu dem Medienkonsumenten die Fähigkeit ab, selbstständig denken zu können und zweitens lässt sie klar ihre Absicht erkennen, diesem ihre eigene Meinung aufzuzwingen. Sie spricht zwar von „informieren“, aber „indoktrinieren“ kommt sowohl ihrer journalistischen Einstellung als auch dem Inhalt ihres Artikels bei weitem näher. Der Informationsgehalt ihres Beitrages ist dürftig. Was man hingegen in voller Länge präsentiert bekommt sind die üblichen Plattitüden.

Der Hinweis auf patriarchalische Strukturen ist dabei allerdings hilfreicher als simple ethnisch-geografische Zuschreibungen.

(Hervorhebung: Die Kehrseite)

In diesem Satz ist noch ein anderes, deutliches Indiz für die ideologische Prägung von Frau Topçu zu finden. Kennern der feministischen Rabulistik dürfte diese Formulierung bekannt vorkommen.

Überhaupt ist ihr ganzer Artikel nichts weiter als gezielte Ablenkung von den Ursachen der Migrantengewalt in Deutschland. Nebulös zählt Topçu ein weiteres Bündel immer wieder hervorgebrachter Ausreden und Ausflüchte auf, die allesamt nicht erklären können, warum nur bei muslimischen Migranten diese Gewalttaten in ihrer Häufung auftreten. Alle Faktoren, die Topçu nennt, treffen zum Großteil auch auf andere Migrantengruppen zu, doch scheint deren Integration in Deutschland weitestgehend gelungen zu sein. Nur bei Muslimen gelingt das offensichtlich nicht.

Wenn ein Kind türkischstämmiger Eltern in Deutschland geboren wurde, hier aufgewachsen ist und hier straffällig wird, ist es dann nicht auch ein Produkt dieses Landes?

Mit dieser Frage versucht Frau Topçu die Ursachen der Migrantenkriminalität in die deutsche Gesellschaft zu verlagern.

Die kriminelle Energie junger Migranten hängt aber von unterschiedlichen Faktoren ab: Sie wachsen oft in bildungsfernen Milieus auf, die Eltern trauern häufig der alten Heimat hinterher, sind mit dem Leben in Deutschland überfordert und halten starr an tradierten Rollenmustern fest.

Seit Anbeginn der türkischen Migration verweigert ein Großteil der Migranten die Sprache und die Kultur ihres Gastlandes. Das einzige, was von Migranten gern und in vollem Umfang entgegengenommen wird sind Sozialleistungen und medizinische Versorgung. Ansonsten haben sich besonders Türken in Deutschland in fast hermetisch abgeriegelten Parallelgesellschaften eingerichtet und meiden weitestgehend den Kontakt zur deutschen Gesellschaft. Daher sind Kinder türkischstämmiger Eltern eben keine „Produkte dieses Landes“. Auch das deutsche Bildungswesen hat es nicht vermocht diese Migranten in jungen Jahren in unsere Gesellschaft einzubinden. Dieser Institution stehen jugendliche Migranten mit muslimischen Wurzeln ablehnend gegenüber und verweigern ihr weitestgehend die Zusammenarbeit. Diese Verweigerungshaltung hat an vielen Schulen überhaupt erst zum vielfach beklagten Bildungsnotstand geführt. Was wollen Lehrer auch unterrichten, wenn in der Klasse renitente Migranten ihr Unwesen treiben, andere Schüler demütigen, bestehlen, verprügeln und die Schuljahre für die, die etwas lernen wollen zur Hölle machen?

Was die „tradierten Rollenmuster“ in dieser Ausrede zu suchen haben, versteht wiederum nur, wer sich mit feministischer Diktion auskennt und versteht, dass dieser „Vorwurf“ als Dauerbrenner immer formuliert wird, auch wenn er wie hier überhaupt keinen Sinn und keinen Zusammenhang mit dem Thema hat. Da „tradierte Rollenmuster“ in ähnlicher oder gleicher Form auch in anderen Kulturkreisen üblich sind und sich dort daraus eben keine kriminelle Energie speist, kann diese Plattitüde ebenfalls nicht als Erklärung für Migrantengewalt herhalten. Andererseits kann man bei deutschen und anderen westlich geprägten Gesellschaften erkennen, dass es zumeist zerrüttete Familienstrukturen sind, in denen diese „Rollenmuster“ aufgelöst wurden, die den Nachwuchs nicht selten ins kriminelle Milieu abdriften lassen. Also ist es eher möglich, dass die „Familie“ oft auch bei kriminellen Migranten einer der wenigen stabilisierenden Faktoren ist, die, wenn sie noch Zugriff auf den jungen Straftäter hat, Schlimmeres zu verhindern vermag.


Noch im November des letzten Jahres sinnierte Margarete Stokowski in einer SPIEGEL-Kolumne zum Thema Vergewaltigungen. Wie bei ihr nicht anders zu erwarten, mit der für Feministinnen üblichen Täter-Opfer Zuweisung. Von der in der Realität in den meisten Fällen anzutreffenden Situation, mit der sich auch die Krankenschwester in Hamburg konfrontiert sah, ist in ihrem Artikel jedoch kein Wort zu finden. Angeblich findet, laut einer Umfrage der Europäischen Kommission, „(j)eder vierte Deutsche“ eine „Vergewaltigung okay“. Auffällig an diesem Dokument ist, dass sich die Europäische Kommission von den Meinungen und Interpretationen der Autoren distanziert. Stokowski jedoch scheut sich nicht zur Bestätigung dieser Befragung die zu diesem Zeitpunkt schon überführte Falschbeschuldigerin Gina-Lisa Lohfink als Opfer aufzubauen, die es einfach nur versäumt hätte zu merken, dass sie eben doch vergewaltigt wurde. Für Stokowski liegt das Problem darin, dass Frauen es nicht lernten sich als Opfer zu verstehen und Männer nicht darüber aufgeklärt würden, dass sie sich als Täter zu sehen hätten.

Der Umstand, dass „Männer“ in Hamburg eine Krankenschwester vergewaltigten, kann für den SPIEGEL also kein Grund sein zu diesem Vorfall zu schweigen. Wären wirklich „Männer“ das Problem in diesem Fall, hätte Margarete Stokowski sicher sofort die Freigabe bekommen in die Tasten zu hauen.

 

Karsten Mende

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3 Kommentare zu „Pressekodex & Migrantengewalt – Sind „Männer“ das Problem?

  1. Ist es nicht inzwischen so, dass immer dann, wenn in den Medien die Herkunft der Taeter nicht genannt oder verschleiert wird, jeder davon ausgeht, dass es sich um einen Fluechtilanten handelt?

    1. Genau so ist es. Pöttker hat das schon 2013 gesehen. Im Gegensatz zu Ideologie hat Logik kein Verfallsdatum. Quoten-Tippse Topçu schnallt diesen logischen Zusammenhang natürlich nicht. Ich glaube auch kaum, dass sie sich mit Leserkommentaren befasst.

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